So hilft Naturschutz gegen Hochwasser in Deutschland

Veröffentlicht am: 21.07.2021|Kategorien: Naturschutz|19.9 Minuten Lesezeit|

Deutschland bleibt von Naturkatastrophen nicht verschont. Das durch extreme Niederschläge im Juli 2021 ausgelöste Hochwasser in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern kostete mehr als 100 Menschen bereits das Leben. Sofort stellt sich die Frage, wie können wir Hochwasser in Deutschland künftig verhindern? Und wie kann verhindert werden, dass ein Hochwasser solch enorme Schäden anrichtet? Eine wichtige Rolle spielt hierfür der Naturschutz. Unsere Flüsse, Moore und Wälder verlangsamen nicht nur den Klimawandel und dadurch bedingt Extremwetterereignisse. Sie helfen auch dabei, Hochwasser in Deutschland einzudämmen und Schlimmeres zu verhindern.

Warum gibt es Hochwasser in Deutschland?

Hochwasser entsteht, sobald besonders starke Regenfälle von den Böden nicht bzw. nicht mehr ausreichend aufgenommen werden können. Dies ist insbesondere im Winter der Fall, wenn die Böden gefroren oder bereits reichlich mit Wasser getränkt sind. Wie das Hochwasser 2021 zeigt, kann es aber grundsätzlich zu jeder Jahreszeit dazukommen. Die Anzahl sogenannter “Jahrhunderthochwasser” nimmt dabei seit den 70er Jahren stetig zu. Der Großteil der Wissenschaftler:innen ist sich einig, dass dies mit dem Klimawandel zusammenhängt. Durch ihn treten zunehmende Extremniederschläge in einigen Regionen Deutschlands auf. 

Deutschland wird insgesamt immer anfälliger für solche Ereignisse, da natürliche Schutzbarrieren wie Auen, Wälder und Moore in den letzten Jahrzehnten immer mehr zurückgedrängt wurden. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist die (insbesondere durch Autoabgase bedingte) Luftverschmutzung, die Böden übersauert und Wälder schädigt. Die Folge: Die Natur kann weniger Wasser aufnehmen. Ein politisches Umdenken zu mehr Klima- und Naturschutz ist daher für den Hochwasserschutz extrem wichtig. Zwar sinken die Emissionen von Jahr, jedoch kritisieren Klimaaktivist:innen wie Luisa Neubauer, dass die politischen Vorhaben nicht ausreichen, um eine Klimakatastrophe abzuwenden.

Wie kann Naturschutz Hochwasser in Deutschland verhindern?

Elbe Hochwasser

Der Naturschutz kann dazu beitragen, proaktiv zu verhindern, dass Hochwasser überhaupt entstehen, indem er einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Je mehr Wälder und Moore es gibt, umso mehr CO2 kann die Natur speichern. Auf der anderen Seite kann Naturschutz zum Teil erheblich dafür sorgen, dass Hochwasser in Deutschland keine großen Schäden anrichten. Naturschutz ist also proaktiv und reaktiv von immenser Bedeutung für den Hochwasserschutz. Wie genau das funktioniert, erfährst Du hier:

1. Flussauen verlangsamen Hochwasserwellen

Auen sind Bereiche entlang von Flüssen und Bächen, die unter natürlichen Umständen bei Hochwasser überflutet werden. Kommt es zu einem Hochwasser, nehmen Auen große Wassermengen auf und verzögern damit den zeitlichen Ablauf. Das Hochwasser wird “gebremst”. Ein Beispiel: 1955 gab es zwischen Basel und Karlsruhe noch ein großes Auengebiet und die Hochwasserwelle brauchte 64 Stunden. Die Auenlandschaft wurde heute soweit reduziert, dass die Welle für die gleiche Strecke nur noch 23 Stunden braucht (Quelle: Bundesamt für Naturschutz). Wie sich der Auenzustand in Deutschland genau verändert hat siehst Du hier >. Dieser Rückgang hat also dramatische Folgen für Tiere und Menschen, da diese deutlich wenige Zeit haben, auf Hochwasserwellen zu reagieren. 

Das Umweltbundesamt empfiehlt daher in Ergänzung zum technischen Hochwasserschutz, Auen rund um Fließgewässer zu renaturieren, also wieder ihren natürlichen Zustand herzustellen. Die Summe vieler kleiner Maßnahmen kann dadurch eine wichtige Rolle im Hochwasserschutz in Deutschland spielen. 

Schütze die Flusslandschaft Elbe

Die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg bietet Dir viele Möglichkeiten, wie Du das Biosphärenreservat rund um die Elbe schützen kannst.

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Wilde Weiden in den Oberrheinauen

Gemeinsam mit 10 Freiwilligen aus ganz Europa kannst Du das „Wilde Weiden“-Projekt im Rahmen eines Workcamps vom 22.08.-04.09.2021 tatkräftig unterstützen.

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2. Wälder speichern Wasser und stabilisieren die Erde

Wälder sind nicht nur CO2-Speicher und damit ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel und damit verbundene Extremwetter. Sie erfüllen auch wichtige Schutzfunktionen im Kampf gegen Hochwasser. Ihre Blätter und Nadeln sind wie ein Schutzdach, das verhindert, dass das Wasser überhaupt erst in den Boden gelangt. Laut diesem Artikel vom Bayerischen Rundfunk bleiben so bis zu 50 Prozent des Niederschlages in den Bäumen “hängen” und dringen nicht in den Boden ein. Und selbst wenn es dazu kommt, sind die Waldböden so stark durchwurzelt, dass sie viel mehr Wasser speichern können, als z.B. eine Wiese. 

Der Boden eines Mischwaldes kann hierbei deutlich mehr Wasser aufnehmen als der Boden einer Fichtenmonokultur. Welche Vorteile Mischwälder gegenüber Monokulturen außerdem haben, erfährst Du hier >. Circa 100 Liter pro Quadratmeter kann der Wald so an Flutwasser ausbremsen. Wir brauchen daher nicht nur mehr Wälder sondern auch mehr Mischwälder, wenn wir uns gegen Hochwasser in Deutschland wappnen wollen. Aber die Wurzeln der Bäume haben noch eine weitere wichtige Funktion: Sie halten die Erde fest und verhindern somit Erosionen und Schäden beim Abfließen des Wassers.

Schütze den Spreewald

Beobachte Tiere wie Biber, Otter, Wasservögel im Spreewald südlich von Berlin und hilf mit bei der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

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Baumpflanzaktionen bei Deutschland Forstet Auf

“Deutschland Forstet Auf” bringt freiwillige Helfer:innen, Förster:innen und Waldbesitzende zusammen. Sei dabei und pflanzen in den nächsten Jahren Millionen Bäume!

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Pflanze Bäume bei #DeinWaldProjekt

#DeinWaldProjekt ist eine Kampagne in Mecklenburg-Vorpommern bei der Du bei verschiedenen Pflanzaktionen mitmachen kannst.

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3. Moore saugen Wasser auf wie ein Schwamm

Moore sind nicht nur in der Kohlenstoffbindung deutlich effizienter als unsere Wälder. Sie sind wie ein Schwamm in der Lage, 5 Mal mehr Wasser als eine Wiese zu speichern. Am Alpenrand verhindern sie so, dass durch Hochwasser größere Flutwellen entstehen. Damit sind intakte Moore eigentlich der wichtigste natürliche Faktor im Kampf gegen Hochwasser in Deutschland – sowohl in der Prävention (Klimawandel) als auch bei der Reaktion (Schäden verhindern). Aber es gibt ein Problem: Den Mooren in Deutschland geht es sehr schlecht. 

Laut NABU gelten 95 Prozent der ursprünglichen Moorflächen in Deutschland als “tot”, d. h. sie können kein Wasser mehr speichern. Grund dafür ist die Entwässerung und der Abbau von Torf, der sich z.B. in Pflanzenerde wiederfindet. Du solltest daher beim Kauf Deiner Erde auf den Hinweis “torffrei” achten. Weitere Tipps für nachhaltige Zimmerpflanzen findest Du hier>. Ohne Moore können wir uns also kaum ausreichend gegen Hochwasser und andere durch den Klimawandel bedingte Ereignisse schützen. Bis die Politik dies in die Hand nimmt, kannst Du Dich jetzt schon aktiv für Moore engagieren!

Renaturierte Moore im Burgwald

Reiße gemeinsam mit der Aktionsgemeinschaft “Rettet den Burgwald” e.V. Bäume aus, um das Wachstum der Torfmoore zu begünstigen und so die Moore zu renaturieren.

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Hilf in der Hauptsaison mit bei der Gästebetreuung im Informationszentrum und kümmere Dich in der Nebensaison aktiv um den Schutz der Moore.

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Du möchtest Dich nicht nur präventiv gegen das Hochwasser in Deutschland einsetzen, sondern auch aktiv den Betroffenen helfen? Hier > findest Du tolle Möglichkeiten und Tipps Dich zu engagieren. 

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