So kannst Du Wildbienen in Deinem Garten ansiedeln

Veröffentlicht am: 16.09.2021|Kategorien: Insekten & Bienen retten|15.1 Minuten Lesezeit|

Wenn wir von Bienen hören, denken wir meist an die Honigbiene. Das ist aber eigentlich gar nicht fair. Denn alleine in Deutschland gibt es rund 500 verschiedene Wildbienenarten, die mindestens genauso wichtig für unsere Natur sind. Wildbienen sind gerade in der Bestäubung sehr effektiv, da sie 90% aller Blüten, auf denen sie landen tatsächlich bestäuben. Das ist auch der Grund, warum sie ca. 80% aller heimischen Pflanzen bestäuben. Klingt eigentlich ganz cool oder? Du kannst dir die kleinen Herlferinnen jetzt in Deinen Garten holen und sie bei Dir ansiedeln. Wir zeigen Dir, wie das geht und worauf Du achten solltest!

Was sind eigentlich Wildbienen?

Biologisch gesehen sind Wildbienen alle Bienenarten, die nicht der Honigbiene entsprechen. Sie unterscheiden sich von der Honigbiene dadurch, dass sie keine abstehende Haare auf ihren großen Facettenaugen haben – Ausnahme ist allerdings die Kegelbiene. Außerdem haben Honigbienen dagegen keinen Sporn an der Schiene ihrer Hinterbeine. Ein weiterer Unterschied – wenn auch nicht physisch – ist, dass die Wildbienen bedroht sind und leider auch vom Insektensterben betroffen. Deshalb ist es umso wichtiger, ihnen Lebensraum zu schaffen und sie bei Dir aufzunehmen.

Weltweit findest Du etwa 30.000 Arten, hier in Deutschland leben etwa 500 davon, weshalb sie zu den artenreichsten Gruppen im Tierreich gehören. Zu den bekanntesten Arten in Deutschland gehören Beispielsweise die Mauerbiene, die Seidenbiene, die Furchenbiene, die Sandbiene und die Blattschneiderbiene. Einen kleinen Überblick über die deutschen Wildbienenarten findest Du außerdem hier >.

Die Arten der Wildbienen unterscheiden sich voneinander sowohl in ihrem Aussehen, als auch in ihrem Lebensraum und ihrer Nahrung. Deshalb solltest Du Dich genauer informieren, wenn Du bereits Wildbienen in Deinem Garten hast, um herauszufinden was sie brauchen. Allgemein kannst Du Deinen Garten aber abwechslungsreich und bienenfreundlich gestalten, ohne Angst zu haben, es passt der einen oder anderen Art nicht. Egal für welche Variante eines Wildbienengartens Du Dich entscheidest, für mindestens eine Art ist es das perfekte Zuhause!

Wie kannst Du Wildbienen ansiedeln?

Da Wildbienen so vielen verschiedenen Arten angehören, gibt es auch viele Wege sie anzusiedeln und den perfekten Lebensraum für sie zu schaffen. Gemeinsam haben alle Arten aber, dass sie sich über eine wilde Blühfläche und Nisthilfen freuen. Worauf Du dabei achten musst und was Du sonst tu kannst, um Wildbienen bei Dir anzusiedeln, erfährst Du jetzt:

1. Biete einen Lebensraum mit bienenfreundlichen Pflanzen

Durch nur kleine Veränderungen in Deinem Garten kannst Du schnell und einfach einen attraktiven Lebensraum für Wildbienen bieten. Achte dabei auf eine wilde Blühfläche, die nicht abgemäht wird. Solltest Du sie doch abmähen, kannst Du darauf achten, das in Abschnitten zu tun, damit immer genug Nahrung für die Wildbienen da ist. Schon auf sehr kleinen Wiesenstücken kannst Du viele verschiedene Pflanzen für Wildbienen haben. Bereits auf 20 bis 30 Quadratzentimeter passen 40 verschiedene Pflanzen.

Doch nicht alle wilden Pflanzen sind geeignet, um Wildbienen anzusiedeln. Wir haben Tipps, welche Blumen eher für Wildbienen geeignet sind und welche Du eher weglassen solltest:

Viele Wildbienen brauchen heimische Pflanzen, um Nahrung zu finden. Sie können mit exotischen Pflanzen aus anderen Ländern leider nur wenig anfangen.

Auch Zierpflanzen bieten den Wildbienen nicht genug Nahrung. Du solltest deshalb darauf verzichten, sie in Deinem wilden Blumenbeet anzupflanzen. Als Zimmerpflanze sind sie natürlich dennoch geeignet.

Blühende Kräuter, wie Rosmarin und Lavendel sind für die Wildbienen der reinste Traum. Hier fühlen sie sich wohl und werden sich sicher bei Dir im Garten ansiedeln. Das beste daran ist auch, dass für Kräuter bereits ein Balkon oder ein Blumentopf am Fensterbrett ausreicht, falls Du keinen eigenen Garten hast.

Kletterpflanzen können auf kleinen Flächen gesetzt werden. Kletterrosen, Beeren und Efeu bieten sich besonders an, da sie bei vielen Wildbienenarten sehr beliebt sind.

Mit diesen Tipps bleiben Dir die Bienen sicher erhalten und siedeln sich in Deinem Garten an. Du hast noch keine wilden Blumen in Deinem Garten und bist Dir unsicher, welche Pflanzen gerade aktuell sind? Wir haben jeweils vier Pflanzenarten pro Zeitraum für Dich gesammelt, die den Bienen besonders gut gefallen:

🌼Haselnuss

🌼Huflattich

🌼Krokus

🌼Schneeheide

🌼Brombeeren

🌼Salweide

🌼Pusteblume

🌼Apfelbaum

🌼Salbei

🌼Sommerlinde

🌼 Steinklee

🌼 Klugdistel 

🌼Malve

🌼Flockenblume

🌼Natternkopf

🌼Efeu

Jetzt bist Du eigentlich bestens vorbereitet, Deinen Garten zum Wildbienenparadies umzuwandeln. Falls Du noch mehr Tipps zum bienenfreundlichen Gärtnern suchst, schau doch mal hier > vorbei!

Wichtig ist auch, dass Du auf Pestizide verzichtest und Deine Pflanzen nicht mit chemischen Mitteln spritzt. Viele chemische Mittel sorgen nicht nur für den Tod von Schädlingen, sondern leider auch für den Tod von Nützlingen wie Wildbienen. Das kannst Du vermeiden, indem Du entweder darauf verzichtest oder auf natürliche Alternativen zurück greifst.

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2. Schaffe Nistmöglichkeiten für Wildbienen

Neben Nahrung und Lebensraum sind Wildbienen in Deinem Garten auch auf der Suche nach geeignet Nistplätzen. Viele Wildbienenarten haben große Probleme in Ruhe zu nisten und sind auch deshalb so gefährdet. Du kannst ihnen jetzt helfen und sie bei Dir im Garten ansiedeln. Für den perfekten Nistplatz gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Totholz, Trockenmauern und markhaltige Stängel sind für Wildbienen vieler Arten eine tolle Nistmöglichkeit. Weitere beliebte Nistplätze, in denen sich Wildbienen ansiedeln sind kleine unbewachsene horizontale Flächen sowie Lößlehm oder Flugsand. Diese Dinge sind eigentlich sowieso in den meisten Gärten. Entsorge also kein Totholz und lasse lange Stängel stehen. So kannst Du mit wenig Aufwand tolle Nistplätze erhalten.

  • Du kannst Nisthilfen entweder selbst bauen oder auch im Baumarkt kaufen. Wichtig ist: es gibt nicht die eine perfekte Nisthilfe für alle Wildbienen. Jede Bienenart hat ihre eigenen Vorlieben.
  • Viele Wildbienen, wie beispielsweise die Sandbiene nisten im Erdboden oder Sandboden. Du kannst für sie einen Kübel an eine sonnige Stelle auf den Boden stellen. Der Kübel muss mindestens 25 Zentimeter hoch sein und einen großzügigen Wasserabzug habe (ca. 5cm). Die unterste Schicht füllst Du mit Blähton, dann füllst Du den Kübel mit lehmigen Sand auf. So einfach kannst Du viele Wildbienenarten glücklich machen.
  • Für andere Arten, die nicht am Boden nisten, kannst Du hängende Nisthilfen aus altem Holz und Schilf bauen. Hier ist es gut, wenn Du die Nisthilfe in südlicher Richtung aufhängst und darauf achtest, dass sie witterungsgeschützt ist. Die Röhrchen sollten auch nicht ausgefrant sein, damit sich keine Wildbiene verletzt.
  • Lasse die Nisthilfen auch im Winter stehen. Die ersten Wildbienen schlüpfen dann nämlich schon im Frühjahr und freuen sich über die ersten Blüten.

Auch ein Insektenhotel bietet den Wildbienen ein Zuhause. Auch hier solltest Du auf eine südliche Ausrichtung achten. Insektenhotels können unterschiedlich groß und aufwendig sein. Du bist also flexibel, wieviel Zeit und Kraft Du aufwenden möchtest.

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Was musst Du sonst über Wildbienen wissen?

Du hast Lust Wildbienen in Deinem Garten anzusiedeln, hast aber das Gefühl Wildbienen noch nicht gut genug zu kennen? Keine Sorge hier findest Du die Antworten auf die zwei wichtigsten Fragen:

Können Wildbienen stechen?

Rein physikalisch ist es auch Wildbienen möglich zu stechen, ja. Allerdings ist die Gefahr durch sie wesentlich kleiner. Erstens sind sie wesentlich friedlicher als Honigbienen. Sie müssen weder einen großen Staat noch Honig verteidigen und sind deshalb weniger bereit zu stechen. Zweitens gelingt es ihr kaum, den Stachel durch die Haut zu stechen, sollte es doch einmal passieren. 

Produzieren Wildbienen Honig?

Häufig wird diese Frage mit nein beantwortet. Dies stimmt aber nur zur Hälfte. Manche Arten – wie die Hummel – sind fähig Honig zu produzieren. Allerdings passiert dies in solch geringen Mengen, dass es hinfällig ist, diesen zu ernten.

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