Waschbären in Deutschland: Was musst Du wissen?

Veröffentlicht am: 20.01.2022|Kategorien: Tieren helfen|9.6 Minuten Lesezeit|

Früher waren Waschbären vor allem in den Wäldern Nordamerikas zu finden, heute gibt es sie in ganz Europa. Allein in Deutschland sollen mittlerweile zwischen 100.000 und 250.000 Waschbären leben. Häufig halten sie sich auch in der Nähe von Menschen auf. Für ihr Nachtquartier suchen sie Schutz auf Dachböden, unter Holzstapeln oder in Kanalröhren. Ihre Nahrung finden sie unter anderem im Müll, auf Komposthaufen oder in Gärten. Hier findest Du alles Wissenswertes über Waschbären:

Dos und Don’ts im Umgang mit Waschbären

Das Bild zeigt einen Waschbär inmitten von grünen Sträuchern.

Waschbären gehören zur Familie der Kleinbären und sind mit den Nasenbären und den Pandabären verwandt. Sie können bis zu 20 Jahre alt werden, erreichen in freier Wildbahn allerdings ein durchschnittliches Alter von 2 bis 3 Jahren. 

Das Vorkommen der Tiere in Deutschland ist auf Aussetzungen und Ausbrüche aus Pelzfarmen seit dem Jahr 1934 zurückzuführen.

Jetzt weißt Du schon die wichtigsten Fakten, doch was bedeutet das für Deinen Umgang mit den Tieren?
Wir haben 5 Dos und Don’ts im Umgang mit Waschbären für Dich gesammelt:

1. Töte Waschbären nicht!

Auch, wenn das Jagen von Waschbären durch die Deutsche Wildtier Stiftung befürwortet wird und sie in Deutschland nicht unter Artenschutz stehen, fallen die Kleinbären unter das Jagdgesetz. Das bedeutet, dass es Jägern vorbehalten ist, sie zu erlegen.  Eine Lebendfalle darf zumindest in befriedeten Bezirken mit einer Ausnahmegenehmigung verwendet werden.

2. Füttere Waschbären niemals!

In vielen Bundesländern ist in den Landesjagdgesetzen auch ein Fütterungsverbot für die Kleinbären integriert. In Berlin kostet das Füttern der kleinen Tiere bis zu 5.000 Euro Bußgeld.

Waschbären finden auch alleine ausreichend Nahrung. Solltest Du einmal damit angefangen haben, sie zusätzlich zu versorgen, wirst Du sie vermutlich nie wieder los.

3. Mache es den Waschbären ungemütlich!

Sollte doch mal ein kleiner Bär bei Dir eingezogen sein, findest Du im Internet jede Menge Tipps, wie Du Waschbären wieder loswerden kannst. Von Licht oder Lärm über benutzte Babywindeln bis hin zu benzingetränken Lappen – die Auswahl ist groß.

Dennoch wirkt vermutlich nichts besser als es den Tieren von vornherein so ungemütlich wie möglich zu machen. So geht’s:

  • Verschließe alle Schlupflöcher an Gartenhütten oder Schuppen.
  • Entsorge Dein Baumaterial oder Deinen Sperrmüll zeitnah, statt ihn herumliegen zu lassen.
  • Sichere Vogelhäuschen mit Metallmanschetten.
  • Sorge dafür, dass Deine Müll- und Biotonnen mit Spanngurt oder Steinen gesichert sind.
  • Bewahre gelbe Säcke in möglichst verschließbaren Boxen auf.
  • Werfe keine Speisereste auf einen frei zugänglichen Komposthaufen – Waschbären sind große Fans von Obst, Milch, Fleisch, Fisch und Brot. Garten- und Gemüsereste sind hingegen unproblematisch.
  • Sammle Fallobst zeitnah auf!
  • Füttere Deine Haustiere möglichst im Haus oder sammle das übrig gebliebene Futter vor der Nacht wieder auf.

Je weniger Möglichkeiten Du einem Waschbären bietest, desto besser schützt Du Dich vor den ungebetenen Gästen.

4. Sichere Dein Haus oder Deine Wohnung richtig gegen Waschbären!

Dass ein Waschbär ins Haus oder in die Wohnung gelangt, kann grundsätzlich einfach verhindert werden. Allerdings sollten die Schutzmaßnahmen durchdacht und passend angebracht oder durchgeführt werden. Waschbären sind sehr intelligente Tiere, die darauf bedacht sind, Schwachstellen zu finden und zu nutzen.

Da sich Waschbären zum Schlafen sowie zur Aufzucht von Jungtieren in Höhlen aufhalten, sollten Aufstiegsmöglichkeiten aufs Dach möglichst vermieden werden.

Unsere Tipps:

  • Beschneide Bäume, deren Zweige aufs Dach reichen
  • Verzichte auf enorme Begrünung von Fassaden
  • Bringe Blechmanschetten an Regenrinnen an
  • Sichere Schornsteine mit Metallgittern
  • Überprüfe von Zeit zu Zeit, ob sich Dachziegel verschoben haben

5. Hole Dir Hilfe gegen Waschbären

Doch was passiert, wenn ein Waschbär es sich bei Dir zuhause gemütlich gemacht hat? In vielen Städten gibt es Anlaufstellen für schnelle Hilfe. Stadtjäger:innen kennen sich in der Regel mit der jeweiligen Rechtslage aus – Du solltest daher mit dem örtlichen Naturschutzbund oder der örtlichen Jagdbehörde in Kontakt treten.

Denke daran, dass sie Wildtiere sind und Du auch ein zurückgelassenes Jungtier nicht aufpäppeln und später wieder aussetzen solltest.

Warum stellen Waschbären in Deutschland ein Problem dar?

Ein Waschbär sitzt in einer Mülltonne. Er ist nur eines der Wildtiere in der Stadt

Im Sommer 2016 wurden Waschbären von der EU-Kommission auf eine Liste unerwünschter Tier- und Pflanzenarten gesetzt. Die Deutsche Wildtier Stiftung berichtet von negativen Auswirkungen auf die heimische Tierwelt – kleinere Säugetiere, Amphibien und Vögel werden in ihren Lebensräumen bedroht, wenn sich Waschbären über Nester gefährdeter Arten hermachen. Auf ihrem Speiseplan sind außerdem Junghasen und kleine Kitze zu finden.

Welche Argumente gibt es in der Diskussion ?

Auch, wenn die intensive Bejagung zum Schutz von Artenschutzprojekten durch die Deutsche Wildtier Stiftung befürwortet, gibt es Gegenstimmen. Besonders Wildtierschützer:innen argumentieren, eine Studie habe herausfinden können, dass Waschbären keine Gefährdung für bedrohte Arten darstellen.

Da Waschbären hohe Populationsverluste durch vermehrte Fortpflanzung ausgleichen, bleibt eine nachhaltige Reduzierung des Tierbestands durch Bejagung ohnehin meist erfolglos. Je mehr Waschbären getötet werden, desto mehr Jungtiere kommen nach.

Wie gefährlich sind Waschbären wirklich?

Nichtsdestotrotz sind die Kleinbären auch für Menschen nicht ganz ungefährlich: Neben Schäden durch Verschmutzung oder Lärm, können Waschbären etwa durch Flöhe, Läuse und Zecken verschiedene Krankheitserreger auf Menschen und Haustiere übertragen und die Verbreitung von Tollwut und anderen infektiösen Krankheiten (Staupe, Panleukopenie, Hasenpest u.a.) ankurbeln.

Wie kannst Du Dich engagieren?

Das Bild zeigt zwei Waschbären, die sich hinter zwei am jeweils linken und rechten Bildrand hereinragenden Bäumen verstecken.

Du hast Lust, Dich (außerhalb Deines Gartens) mit Waschbären zu beschäftigen und im Bereich Wildtierrettung zu engagieren? Das kannst Du tun:

Ein Eichhörnchen sitzt auf einem Baum uns frisst einem Menschen aus der Hand. Eichhörnchen gehören zu Wildtieren in der Stadt

Ob direkte Wildtierhilfe in der Station, Tierrettung in der freien Natur oder administrative Hilfe im Büro – hier ist jede helfende Hand gefragt!

Mehr zum Projekt
Auf dem Bild ist eine Hand zu sehen die ein kleines braunes Kaninchen hält. Der Hintergrund ist verschwommen.

Werde Teil der Notrufgruppe und sei da, wenn Hilfe am dringendsten gebraucht wird!

Mehr zum Projekt

Lust auf mehr Engagement?

Waschbären sind zwar nicht nur die süßen Tiere von nebenan, verteufelt werden sollten sie aber auch nicht. Besonders in ländlichen Regionen konnte sich bereits auf eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Tier geeinigt werden.

Dir hat dieser Blogartikel gefallen und Du möchtest gern mehr über Wildtiere erfahren? Hier > findest Du einen Artikel zum Thema Wildtiere in der Stadt. Du wohnst in Berlin und möchtest vor Ort helfen? Hier > geht’s zum Blogartikel rund um Wildtierschutz in Berlin!

Auf GoNature.de findest Du außerdem viele weitere Projekte rund um den Natur- und Artenschutz!

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