Amphibien schützen: So gehts!

Veröffentlicht am: 15.06.2023|Kategorien: Tieren helfen|10,6 Minuten Lesezeit|

Sie sind die ältesten Wirbeltiere der Erde. Vor 400 Millionen Jahren traten im Erdzeitalter Devon die ersten Amphibien auf. Und sie bestehen immer noch. Auch Du hast bestimmt schon öfter Frösche, Eidechsen und Co beobachtet oder? Heute kannst Du leider weniger Arten beobachten, da einige Amphibien zu den gefährdeten Arten zählen. Hier findest Du alle Informationen, was genau Amphibien eigentlich sind, warum und wie Du sie schützen kannst. Außerdem zeigen wir Dir vier tolle Projekte zum Thema:

1. Was sind eigentlich Amphibien? 
2. Warum müssen wir Amphibien schützen? 
3. Wie kannst Du Amphibien schützen? 

Was sind eigentlich Amphibien?

Ein Frosch sitzt in der Mitte von Seerosen in einem Teich. Frösche gehören zu den Amphibien.

Amphibien, auch Lurche genannt, sind alle Landwirbeltiere, die sich im Wasser fortpflanzen. Daher haben sie auch ihren Namen. Aus dem Griechischen übersetzt bedeutet Amphibien nämlich “doppellebig” oder “beidseitig lebend”.

Kröte als Symbolbild für den Amphibienschutz beim BUND Ravensburg-Weingarten

Kröten, Molche und Co.: Finde Dein Projekt zum Schutz von Amphibien und Reptilien. Engagiere Dich vor Ort oder online.

Welche Amphibienarten gibt es?

Amphibien gelten als erste an Land lebende Wirbeltiere und traten das erste Mal vor 400 Mio Jahren im Erdzeitalter Devon auf. Heute gibt es etwa 7.000 Amphibien Arten weltweit. In Deutschland sind es 21 Arten. Zu den einheimischen Amphibien zählen Salamander, Molche Unken, Kröten und Frösche. Eine vollständige Liste der einzelnen Arten findest Du beispielsweise beim NABU. Die heute lebenden Amphibien werden in drei Ordnungen unterteilt:

🦎 Froschlurche (Anura): Frösche, Kröten und Unken
🦎Schwanzlurche (Caudata): Salamander und Molche
🦎Schleichenlurche (Apoda): Blindwühlen

Was sind die Merkmale von Amphibien?

Viele Amphibienarten sind sehr unterschiedlich, manche von ihnen sind grell gefärbt (z.B der Feuersalamander), andere sind wiederum sehr schlicht und unauffällig (z.B. der Kammolch). Auch die Lebensweise und der Lebensraum kann sich unterscheiden. Dennoch haben alle Arten einige Gemeinsamkeiten. Hier findest Du eine Übersicht aller Merkmale:

Als Larve erfolgt die Atmung der Tiere über die Kiemen, da sie im Wasser leben. Im Erwachsenenstadium leben die Tiere an Land und atmen deshalb über eine ausgewachsene Lunge.

Amphibien haben zwei Vorderbeine und zwei Hinterbeine. Bei manchen Arten treten diese allerdings in verkrümmter Form auf und sind kaum als solche erkennbar. Wusstest Du außerdem, dass Amphibienhände aus jeweils nur vier Fingern besitzen?

Die Befruchtung der Eier findet außerhalb des Wassers statt. Außerdem werden viele Lurche erst nach einigen Jahren geschlechtsreif, wie z.B. Erdkrötenweibchen erst nach 3-5 Jahren.

Einen geringen Anteil des benötigten Sauerstoff nehmen Amphibien über ihre Haut auf. Die Haut trägt im Unterschied zu Reptilien kein Schuppenkleid und ist sehr dünn. Außerdem wird die Haut von Amphibien permanent über spezielle Schleimdrüsen befeuchtet.

Nur einen Ausgang für Harnröhre und Anus besitzen Lurche. Dieser wird Kloake genannt.

Amphibien durchlaufen in ihrem Leben eine Entwicklung von der im Wasser lebenden Larve bis zum an Land lebenden Tier. Innerhalb dieser verändert sich die Gestalt des Lurches. Ein einfaches Beispiel ist der Frosch, der als Junges noch eine Kaulquappe ist. 

Bei einigen wenigen Arten, sieht die Entwicklung jedoch anders aus. Der Alpensalamander bringt seine Jungen beispielsweise fertig entwickelt zur Welt und der Grottenolm und das Axolotl verbringen ihr ganzes Leben im Wasser.

Lurche sind wechselwarme Tiere. Ihre Körpertemperatur hängt also von der Temperatur der Umgebung ab. Ist es kalt, sind sie langsam und träge, ist es warm, werden sie munter und beweglich.

Fast alle Amphibien besitzen einen guten Sehsinn. Besonders stark reagieren sie auf Bewegungsreize.

Im Erwachsenenstadium (an Land) verfügen alle Lurcharten über eine Wirbelsäule und sind demnach den Wirbeltieren zuzuordnen.

Warum müssen wir Amphibien schützen?

Eine Eidechse sitzt auf sandfarbenen Boden. Sie gehört zu den Amphibien in Deutschland

Amphibien stehen in Deutschland seit 1980 gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz unter Artenschutz. Das gilt für alle Amphibienarten, auch die, die nicht direkt in ihrem Bestand gefährdet sind. Das heißt, es ist verboten Lurche sowie deren Laich und Larven der Natur zu entnehmen. Doch die Tiere stehen nicht ohne Grund unter Artenschutz. Leider gab es gerade in den vergangenen Jahren einen massiven Rückgang ihrer Art. Einige Amphibienarten sind als gefährdet eingeordnet oder vorgewarnt. Eine Auflistung findest Du auf der Roten Liste. Eng mit ihrem Artensterben ist auch das Insektensterben verknüpft.

Was sind die Gefahren für die Tiere?

Der Bestand der Tiere geht zurück und sie brauchen besonderen Schutz. Doch woran liegt das eigentlich? Hier in Deutschland sind Kröte, Eidechse und Co leider vielen verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Wir haben diese für Dich gesammelt:

Durch monotone Flächen für die herkömmliche Landwirtschaft geht der Lebensraum der Amphibien leider massiv zurück. Unzählige kleine Wasserstellen werden zugeschüttet oder trocken gelegt. Hecken und Gehölze werden beseitigt. Durch den Schwund der Vielfalt schwinden leider auch die Amphibien.

Der Klimawandel beeinflusst unsere Natur, und somit auch die Lebensräume der Amphibien. Es wird immer trockener und die geliebten kleinen Gewässer verschwinden. Amphibien sind zudem durch ihre körperlichen Gegebenheiten mehr an einen Lebenraum gebunden, als andere Arten und leiden deshalb mehr.

Fische lieben es die Laiche und Larven von Amphibien zu essen. Kröten und Co haben dort also kaum eine Chance zu überleben und sich fortzupflanzen. Amphibien brauchen allerdings Gewässer, um ihren Nachwuchs zu bekommen. Sind alle Gewässer mit Fischen besetzt, sind sie in großer Gefahr.

Amphibien lieben Laubwälder mit kleinen Gewässern und vielen Möglichkeiten sich zu verstecken. Leider werden diese vermehrt abgeholzt und durch Nadelwälder mit sauren Gewässern ersetzt. Dort fühlen sich Eidechsen und Co aber leider nicht ganz so wohl und haben auch kleinere Überlebenschancen.

Du kennst bestimmt die unschönen Bilder von Müllbergen auf Feldern oder am Waldesrand. Gerade diese Ablagen sind es, die Amphibien enorm zu schaffen machen. Durch den Müll gelangen  schnell Schadstoffe oder Nährstoffe in den Boden, die schädlich für die Tierchen sind. Aufgrund ihrer dünnen Haut nehmen Lurche diese Stoffe allerdings schnell auf und können daran sterben.

Neben dem Verlust des Lebensraumes ist auch dessen Zerschneidung durch Straßen eine große Gefahr für Amphibien. Besonders im Frühjahr während ihrer Wanderung zu Laichgewässern müssen die Tiere Straßen überqueren. Oftmals sehen Autofahrer:innen die kleinen Kerlchen nicht, die zudem bei Scheinwerferlicht verharren und einfach sitzen bleiben. Geraten sie nicht unter die Räder, werden die Lurche durch den Druckunterschied, den ein Auto auf der Straße verursacht, meist durch die Luft geschleudert und sterben danach.

In ländlichen Gebieten passiert es häufig, dass Amphibien in Spalten und Löcher plumpsen. Treppen, Brunnen, Lichtschächte und Straßengullys sind nur einige Beispiele für Alltagsfallen. Oftmals kommen die Tiere nicht mehr selbst hinaus, verletzten sich und verhungern.

Durch ihre dünne Haut nehmen Amphibien besonders leicht Chemikalien auf. Hochkonzentrierte Dünger führen bei direktem Kontakt mit der Lurchhaut oftmals zu Verätzungen und letztlich zum Tod. Doch auch Schwermetalle, Stickstoff Dünger, Pestizide und Herbizide machen den Lurchen das Leben schwer, ob an Land oder im Wasser.

Er wurde aus dem östlichen und mittleren Nordamerika hergebracht und belagert nun Teiche. Der Ochsenfrosch ist ein großer Konkurrent heimischer Amphibienarten und raubt ihnen nun Lebensraum und Futter. Doch die Bedrohung geht darüber hinaus, anders als andere Amphibienarten ist der Ochsenfrosch ein Allesfresser. Er ist also nicht nur Konkurrent sondern auch Fressfeind.

Wozu brauchen wir Amphibien?

Lurche laufen demnach an vielen verschiedenen Stellen Gefahr zu sterben. Wäre dies der Fall hätte das allerdings verheerende Folgen. Ganz davon abgesehen, dass Artenvielfalt wichtig für unser Ökosystem ist und wir jede Art erhalten sollten, übernehmen Amphibien zwei wichtige Rollen im Ökosystem. 

🦎 Als Räuber fressen Amphibien Käfer, Spinnen, Würmer und Co. Sie sorgen so für ein Gleichgewicht in der Natur und dienen als natürliche Schädlingsbekämpfer. 

🦎 Als Beutetier dienen sie unter anderem Vögeln, Reptilien und einigen Säugetieren als Nahrung. Ist der Bestand der Amphibien groß genug, ist es keinerlei Problem, dass sie gefressen werden, sondern hilft dem Erhalt anderer Arten.

Wie kannst Du Amphibien schützen?

Amphibien brauchen viel Schutz. Du kannst jetzt handeln und Dich für die Tiere einsetzen. Nachdem Du die Gefahren kennst, weißt Du auch worauf Du besonders achten kannst. Wie Du den kleinen Tierchen außerdem helfen kannst, findest Du in unseren 8 Tipps:

Gegen den Schwund von Lebensraum kannst Du jetzt zumindest im kleinen Stil etwas tun! Gestalte Deinen Garten jetzt amphibien freundlich. Ein kleiner Fischfreier Teich eignet sich für die Tiere hervorragend zum Laichen und bietet ihnen einen Rückzugsort. Ein Komposthaufen dient den Lurchen nicht nur als perfekte Nahrungsquelle, sondern auch als Versteck für ihren Winterschlaf. Außerdem solltest Du darauf achten, dass Du keine Pestizide oder Gifte benutzt, da diese besonders gefährlich für Amphibien sind.

Wie Du Deinen Garten nicht nur amphibien freundlich, sondern auch bienenfreundlich gestalten kannst, zeigen wir Dir außerdem hier >.

Egal ob Du sie gerne in Deinem Garten hättest oder denkst, Du hättest einen guten Ort für Amphibien gefunden: Lasse sie dort wo sie sind. Ausnahme ist natürlich, wenn sie festsitzen oder in akuter Gefahr sind. Ansonsten solltest Du Amphibien nicht aus ihrer freien Wildbahn reißen. Wenn ein Ort einen guten Lebensraum bietet, werden sie ganz von alleine dorthin finden.

Vielerorts werden Amphibien bei ihrer jährlichen Wanderung durch Krötenzäune am Rande der Straßen vor dem sicheren Tod gerettet. Diese Zäune müssen aufgebaut und anschließend bis zu drei Monate lang betreut werden. Du kannst jetzt mithelfen, die Zäune aufzustellen sowie instandzuhalten und außerdem die Eimer mit den Tierchen sicher über die Straße bringen. Außerdem kannst Du Daten sammeln und so Grundlagen für langfristige Schutzvorrichtungen liefern.

Nicht überall können Krötenzäune oder Straßensperren aufgebaut werden. Amphibien laufen dort Gefahr überfahren zu werden. Um dem entgegenzuwirken, werden vielerorts Hinweisschilder aufgestellt. Diese sollen Autofahrer dazu bringen langsam und umsichtig zu fahren und auf mögliche Krötenwanderungen zu schauen. Achte deshalb auf die Schilder und passe Deinen Fahrstil entsprechend an. Auch als Beifahrer:in kannst Du auf die Schilder achten und den Fahrer:innen Bescheid sagen.

Ein großes Problem kann direkt vor der Haustüre lauern. In Dörfern und Städten geraten die kleinen Tierchen schnell mal ins Kellerfenster, Lichtschächte, Brunnen oder sogar Gullys. Um dies zu vermeiden, kannst Du Spalten und Löcher mit einem engmaschigen Draht abdecken, damit sie nicht hineinplumpsen.

Nicht alle Löcher lassen sich abdichten. Manchmal passiert es dann doch mal, dass ein Tierchen sich in einem Spalt oder Loch verirrt hat. Versuche das Tier nicht anzufassen, sondern baue ihm lieber einen Ausweg. Du kannst z.B. mit einem Lochblech eine Treppe bauen oder Du umwickelst ein Stück Holz mit einem Draht.

Wie Du ja jetzt weißt, ist Lebensraumverlust durch Landwirtschaft eines der größten Probleme für Amphibien. Um sie zu schützen, kannst Du nicht nur direkt, sondern auch indirekt helfen, indem Du nachhaltige Landwirtschaft unterstützt. Hast Du zum Beispiel schon mal etwas über Solidarische Landwirtschaft oder Carbon Farming gehört? Nein? Dann informiere Dich jetzt auf unserem Blog!

Oftmals sind wir gemeinsam stärker als alleine! Gerade beim Aufbau eines Amphibienzaunes, können viele Hände mehr bewirken. Engagiere Dich jetzt in verschiedenen Projekten und schütze so unsere Lurche!

Welche Projekte gibt es um Amphibien zu schützen?

Du hast Lust Amphibien nicht alleine zu schützen und Dich in Projekten noch mehr zu engagieren? Wir haben vier passende Projekte für Dich gesammelt:

Amphibien schutz in Freiburg und Umgebung

Hilf jetzt dem NABU bei der Kartierung von Gewässern und Amphibienzäunen und pflege den Lebensraum von Amphibien!

Unterstütze die Arbeitsgruppe Laubfrosch!

Gestalte und Schütze jetzt Lebensraum für Frösche und Kröten im Raum Thomasburg/Wicheln/Ellringen!

Unterstütze die Arbeitsgruppe Amphibienschutz!

Hilf bei der Krötenwanderung mit und leere die Eimer regelmäßig aus!

Werde Amphibien retter:in

Hilf beim Auf- und Abbau von Krötenzäunen und hilf ihnen über die Straße!

Lust auf mehr Engagement?

Du hast Lust Dich zu engagieren? Du möchtest auch in anderen Bereichen Einsatz zeigen? Dann bist Du hier genau richtig! Auf GoNature.de findest Du viele weitere Projekte rund um den Natur- und Artenschutz!

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