Das musst Du über Streuobstwiesen wissen

Veröffentlicht am: 11.10.2021|Kategorien: Garten & Balkon|10 Minuten Lesezeit|

Streuobstwiesen sind für die Biodiversität und damit für die Natur sehr wichtig und sollen deshalb erhalten werden. Es gibt sie überall in Deutschland, meistens in der Nähe von Siedlungen, allerdings ist ihr Bestand leider zurückgegangen. Doch was macht Streuobstfelder eigentlich aus? Warum müssen wir sie erhalten? Die Antworten findest Du hier! Außerdem zeigen wir Dir, wie Du Dich für den besonderen Anbau einsetzen kannst.

Menschen auf einer Streuobstwiese rechen das gemähte Gras. Daneben stehen voll Obstbäume

Hilf der NABU Naturschutzstation Leverkusen Köln beim Baumschnitt, dem Pflanzen und Pflegen der Jungbäume und Wiesen und der Ernte und Verarbeitung von Streuobstprodukten.

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Streuobstwiesen – was ist das eigentlich?

Ein Obstbaum steht in voller Blüte auf einer grünen Wiese

Auf Streuobstwiesen wird Obst angebaut, dabei werden umweltverträgliche Bewirtschaftungsmethoden und hochstämmige Baumformen herangezogen. Der Unterschied von Streuobstwiesen und anderen Obstplantagen besteht neben der Stammhöhe der Bäume darin, dass die Obstbäume verstreut in der Landschaft stehen und als einzelne Bäume erkennbar sind. Sie können aus Wiesen, Weiden oder Mähweiden bestehen. Auf den meisten stehen Bäume mit vielen verschiedenen Obstsorten. Oftmals findest Du dort auch ältere Obstsorten.

Die Bewirtschaftung und Pflege im Streuobstanbau teilt sich in die sogenannte Obernutzung und die sogenannte Unternutzung. Als Obernutzung wird der Ertrag der Bäume gesehen, also das Streuobst. Die Unternutzung bezeichnet die Fläche unter den Bäumen. Bei der Bewirtschaftung von Streuobstwiesen sollte auf Pestizide und andere Gifte verzichtet werden. Außerdem zeichnet sich die Unternutzung durch eine wenig intensive Bewirtschaftung aus. Dadurch bieten Streuobstwiesen einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Engagiere Dich jetzt für Streuobstwiesen!

Welche Geschichte steckt hinter Streuobst?

Wusstest Du, dass die Anfänge des Obstanbaus bis in die Urzeit zurückreichen? Damals wurden Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Walnüsse in ihrer Wildform genutzt. Erste Obstgärten entstanden in Deutschland später durch die Römer am Rande ihrer Villen. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Obstanbau und die verschiedenen Obstsorten vor allem durch Mönche bewahrt und weiterentwickelt. 

Streuobstfelder, wie wir sie heute kennen, entstanden im 16. Jahrhundert. Das Wort “Streuobstwiese” wurde jedoch erst im Jahr 1957 geprägt, als auch ihre Bedeutung für den Naturschutz erkannt wurde.

Am 29. April ist Tag der Streuobstwiese

Der Tag der Streuobstwiese findet dieses Jahr bereits zum zweiten Mal statt. Am letzten Freitag im April lenkt der weltweite Mitmach- und Erlebnistag die Aufmerksamkeit auf das immaterielle Kulturerbe Streuobstanbau.
Europaweit gibt es an diesem Tag zahlreiche Aktionen, die über die Relevanz des Streuobstanbaus aufklären und für die Thematik begeistern sollen. Auf www.streuobstueberall.de findest Du jede Menge Infos. Von Streuobstwanderungen, Netzwerktreffen, Online-Tagungen und Fahrradexkursionen ist für jede:n etwas dabei!

Warum müssen wir Streuobstwiesen erhalten?

Die Wiesen sind also eine besondere Form des Obstanbaus, die ihre eigene Geschichte mitbringen und Lebensraum bieten. Doch es gibt noch weitere Gründe, warum wir sie erhalten sollten:

1. Streuobstwiesen bieten wichtigen Lebensraum

Durch die ökologische Bewirtschaftung der Bäume und der Wiesenfläche sind Streuobstwiesen für viele Tier- und Pflanzenarten ein Lebensraum. Sie sind also bedeutend für die Biodiversität. Laut Hochstamm Deutschland e.V. leben normalerweise über 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten auf ihren Streuobstwiesen. Auch viele bedrohte Arten finden hier ein Zuhause. Zu ihnen gehören beispielsweise Schmetterlinge, Fledermäuse, Wildbienen und Vögel.

2. Streuobstwiesen sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft

Da Streuobstwiesen durch den Menschen geschaffen wurden und nur durch eine kontinuierliche Bewirtschaftung weiter bestehen, gelten sie als Kulturlandschaft. Um ihren Erhalt über Generationen hinweg zu sichern, muss Wissen und Begeisterung weitergegeben werden. Dieses Wissen gilt als wichtiges Gut, dass es zu bewahren gilt.

3. Streuobstwiesen sind gefährdet

Nach NABU-Schätzungen gibt es heute noch 300.000 Hektar Streuobstbestände, davon sind über 95% Streuobstwiesen. Allerdings geht der Bestand leider erkennbar zurück. Laut Hochstamm Deutschland e.V. bekommt die Landkarte  jedes Jahr mehr Lücken.

Doch warum sind Streuobstwiesen eigentlich gefährdet?

Gerade die Konkurrenz durch Obstplantagen mit Niederstämmen macht dem Streuobstanbau zu schaffen. Diese haben höhere Erträge, da sie sehr intensiv bewirtschaftet werden, was jedoch nicht so naturfreundlich ist, wie bei den Streuobstwiesen. Dadurch sind Plantagen auch viel wirtschaftlicher, was zu einem niedrigen Mostobstpreis führt.

Auch die sehr aufwändige Pflege stellt ein Problem dar: Hochstämmige Obstbäume müssen vor allem als Jungbäume jährlich, später alle paar Jahre geschnitten werden. Ein gewisser Totholzanteil an älteren Bäumen auf Streuobstwiesen ist zwar gewünscht und insektenfreundlich, beeinträchtigt allerdings die Nutzung der Bäume.
Viele Streuobstgürtel um Gemeinden und Städte mussten weichen. An ihrer Stelle stehen jetzt Wohngebiete oder Gewerbegebiete. Auch der Straßenbau und die Flurbereinigungswege nehmen Platz ein, wo ursprünglich Streuobstwiesen angelegt waren.

4. Bewirtschaftende der Streuobstwiesen stehen vor vielen Herausforderungen

Viele Besitzer:innen, private Bewirtschafter:innen und Landwirt:innen sehen kaum noch Anreiz, Streuobstbäume zu pflegen. Der Arbeitsaufwand und die investierte Zeit sind hoch und werden zudem kaum entlohnt. Bewirtschaftende haben demnach das Problem die Zeit, meist neben anderen Jobs, aufzubringen. Außerdem erbringen die Streuobstbäume weniger Ertrag als Plantagen und sind so kaum konkurrenzfähig. 

Kümmert sich nun aber niemand  mehr um den Streuobstanbau, geht wichtiger Lebensraum und spannendes Kulturgut und Wissen verloren.

Wie kannst Du Dich für Streuobstwiesen einsetzen?

Menschen reden miteinander. Sie sind freiwillige Helfer für Streuobstwiesen

Streuobstwiesen brauchen Deine Hilfe! Du möchtest Dich jetzt für sie einsetzen und ihnen in Deinem Alltag oder in Projekten helfen? Wir zeigen Dir, wie das ganz einfach geht:

1. Führe den Kulturerbe-Antrag für Streuobstanbau weiter

Hilf Hochstamm Deutschland e.V. den Streuobstanbau auch auf europäischer Ebene zu einem immaterielles Kulturerbe zu machen. Du kannst Dich hier bei Gesprächen und Anträgen einbringen.

2. Engagiere Dich bei Organisationen und Bündnissen für Streuobstwiesen

Durch den hohen Aufwand sind Streuobstwiesen auch auf die Hilfe Ehrenamtlicher angewiesen. Du hast Lust Bäume zu pflegen, Wiesen zu mähen oder Dich in der Umweltbildung zu engagieren? Dann engagiere Dich jetzt bei verschiedenen Organisationen und Projekten. Eine Übersicht findest Du auch auf GoNature.de.

3. Achte beim Obst- und Saftkauf auf regionales Streuobst

Du möchtest Streuobstwiesen auch in Deinem Alltag unterstützen? Das geht ganz einfach, indem Du beim Einkaufen auf das richtige Obst achtest. Wieso das gut ist und worauf Du Acht geben solltest, erfährst Du hier >.

4. Teile die Idee der Streuobstwiesen

Wie bei vielen wichtigen Projekten ist auch bei Streuobstwiesen die Mundpropaganda wichtig! Teile die Idee der Streuobstwiesen und Projekte zum Thema mit Deinem Umfeld. Vielleicht haben ja auch Deine Freund:innen oder Deine Familie Lust mit anzupacken?

Ein Schild aus Holz. Darauf steht Gen-Garten. Darunter ist ein anderes Schild mit Text und Informationen zu Streuobstwiesen

Erhalte gemeinsam mit dem Arbeitskreis Heimat, Natur und Umwelt in Bad Schönborn alte Streuobstsorten und Pflege den Garten.

Mehr zum Projekt

Lust auf mehr Engagement?

Du interessierst Dich für ökologischen und fairen Anbau? Hast Du schon einmal von Solidarischer Landwirtschaft gehört? Hier > geht’s zum Blogartikel!

Auf GoNature.de findest Du außerdem viele weitere Projekte rund um den Natur- und Artenschutz! 

Vielen Dank für die tollen Bilder an Hochstamm Deutschland e.V. und die Fotograf:innen Miria Sengebusch und Sonja Philipp.

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